Viele Unternehmer stellen die Rechtsformfrage erst, wenn der Steuerbescheid unangenehm wird. Dabei entscheidet die Rechtsform darüber, wie viel vom erwirtschafteten Gewinn im Unternehmen bleibt und wie schnell Sie investieren können. In diesem Beitrag rechnen wir drei typische Gewinnszenarien durch und zeigen, ab welchem Punkt sich der Wechsel in die GmbH trägt.
Wie werden Einzelunternehmen und GmbH besteuert?
Beim Einzelunternehmen fließt der komplette Gewinn in Ihre persönliche Einkommensteuer, unabhängig davon, ob Sie das Geld entnehmen. Der Spitzensteuersatz greift ab rund 68.500 € zu versteuerndem Einkommen. Die Gewerbesteuer wird bis zu einem Hebesatz von 400 % weitgehend auf die Einkommensteuer angerechnet.
Bei der GmbH trennt sich das Bild. Auf Gesellschaftsebene fallen Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer an, zusammen je nach Hebesatz rund 30 %. Diese Belastung bleibt konstant, egal wie hoch der Gewinn ausfällt. Erst wenn Sie ausschütten, kommt die Kapitalertragsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag oben drauf.
„Die Rechtsform folgt der Strategie. Wer investieren will, profitiert von der GmbH früher als jemand, der den Gewinn vollständig entnimmt."
Ab welchem Gewinn kippt die Rechnung?
Der entscheidende Faktor ist Ihr Entnahmeverhalten. Wer den gesamten Gewinn für den privaten Lebensunterhalt braucht, fährt mit dem Einzelunternehmen häufig bis in sechsstellige Bereiche gut, weil die Vollausschüttung aus der GmbH in Summe teurer wird.
Sobald Sie Gewinne im Unternehmen stehen lassen, dreht sich das Verhältnis. Bei einem thesaurierten Gewinn von 100.000 € bleiben in der GmbH rund 70.000 € für Investitionen, beim Einzelunternehmen mit Spitzensteuersatz nur etwa 55.000 €. Diese Differenz arbeitet jedes Jahr weiter und wird über fünf Jahre zum spürbaren Kapitalvorsprung.
Was bringt die Haftungsbegrenzung wirklich?
Die Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen ist der zweite große Hebel. Sie wirkt bei Gewährleistungsfällen, Vertragsstreitigkeiten und Ausfällen von Kunden. Banken verlangen bei jungen Gesellschaften allerdings regelmäßig persönliche Bürgschaften, wodurch der Schutz für Finanzierungen teilweise ausgehebelt wird.
Rechnen Sie außerdem mit Pflichten, die das Einzelunternehmen nicht kennt. Dazu zählen die Bilanzierung, die Offenlegung im Unternehmensregister und die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung des Geschäftsführervertrags. Wir kalkulieren diese Mehrkosten in der Potenzialanalyse offen mit, damit der Vergleich belastbar bleibt.
Wie läuft der Wechsel praktisch ab?
Der Weg vom Einzelunternehmen in die GmbH führt in den meisten Fällen über die Einbringung nach dem Umwandlungssteuergesetz. Gelingt sie zu Buchwerten, entsteht kein steuerpflichtiger Aufgabegewinn. Voraussetzung ist, dass alle wesentlichen Betriebsgrundlagen mit übergehen, insbesondere Immobilien, gewerbliche Schutzrechte und der Kundenstamm.
Eine Sperrfrist von sieben Jahren begleitet die Einbringung. Verkaufen Sie die Anteile vorher, wird rückwirkend anteilig besteuert. Wer einen Verkauf plant, sollte diese Frist von Anfang an in die Zeitachse einplanen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zum Verlustvortrag beim Rechtsformwechsel.
So gehen wir vor
Wir starten mit Ihren Zahlen der letzten drei Jahre und einer realistischen Planung für die kommenden fünf. Daraus entsteht ein Vergleich, der Steuerbelastung, Sozialversicherung und laufende Kosten zusammenführt. Anschließend begleiten wir bei Bedarf die Gründung Ihrer GmbH und stimmen den Ablauf mit Notar und Finanzamt ab.
Häufige Fragen
Kann ich mein Einzelunternehmen einfach umbenennen?
Nein. Die GmbH entsteht als eigene juristische Person durch notarielle Beurkundung und Eintragung im Handelsregister. Das Einzelunternehmen wird eingebracht oder eingestellt.
Wie hoch sind die laufenden Mehrkosten einer GmbH?
Rechnen Sie mit Jahresabschluss, Offenlegung und einer zusätzlichen Steuererklärung. Die konkreten Beträge besprechen wir transparent, bevor Sie sich entscheiden.
Was passiert mit meinem bestehenden Verlustvortrag?
Der gewerbesteuerliche Verlustvortrag geht bei der Einbringung regelmäßig unter. Deshalb prüfen wir vorab, ob sich eine Nutzung im bestehenden Unternehmen noch lohnt.





