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Tobias Neef
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Wann ist es sinnvoll, eine Holding zu gründen?

Drei Auslöser sprechen für die zweite Gesellschaft. Einer davon hat mit Steuern nichts zu tun, und in einem Fall kostet die Holding mehr, als sie einbringt.

Banu Bas
Banu BasZuletzt aktualisiert: 12. August 2026
Inhalt Welche Auslöser sprechen für eine Holding? Warum entscheidet der Zeitpunkt über die Kosten? Ab welchem Gewinn trägt sich die zweite Gesellschaft? Wann schadet eine Holding mehr, als sie nützt? Wie starten Sie den Aufbau richtig?

Die häufigste Frage in meinen Erstgesprächen lautet nicht, wie eine Holding funktioniert, sondern ob sie sich jetzt schon lohnt. Meine Antwort hängt selten am Umsatz. Sie hängt daran, was mit dem Gewinn passiert, wenn er einmal versteuert ist, und ob Sie Ihre Firma irgendwann verkaufen wollen. Wer beides beantworten kann, weiß nach zehn Minuten, ob sich die zweite GmbH trägt.

Welche Auslöser sprechen für eine Holding?

In der Zusammenarbeit mit Agenturen, Coaches und digitalen Dienstleistern sehe ich drei Situationen, in denen sich die zweite Gesellschaft rechnet. Sie treten selten gleichzeitig auf, und eine davon reicht bereits.

  • Sie lassen Gewinn im Unternehmen stehen und wollen ihn außerhalb des operativen Risikos parken.
  • Sie planen den Verkauf Ihrer Gesellschaft, sei es in zwei Jahren oder in zehn.
  • Sie bauen eine zweite Firma auf und wollen sie aus vorhandenen Gewinnen finanzieren.

Der erste Punkt hat mit Steuern nichts zu tun. Liegt Ihre Rücklage in der operativen GmbH, haftet sie für jeden Rechtsstreit, jede Gewährleistung und jede Forderung aus dem Tagesgeschäft. Schütten Sie sie an die Holding aus, ist sie außer Reichweite und bleibt trotzdem im Unternehmensvermögen.

Verkaufsabsicht wiegt am schwersten

Verkaufen Sie Ihre Anteile privat, greift das Teileinkünfteverfahren: 60 % des Gewinns landen in Ihrer Einkommensteuer, bei Spitzensteuersatz bleiben rund 28,5 % Belastung. Hält die Holding die Anteile, sind 95 % des Verkaufsgewinns nach § 8b Abs. 2 KStG steuerfrei, unterm Strich etwa 1,2 %. Bei einem Kaufpreis von zwei Millionen Euro liegen dazwischen mehr als 500.000 €.

Wie sich dieser Vorteil beim Weiterinvestieren auflöst oder eben nicht, rechne ich im Beitrag Holding-Struktur: Ab wann lohnt sich die zweite GmbH? Schritt für Schritt durch.

Der beste Zeitpunkt für eine Holding liegt fast immer vor dem Wachstum. Danach wird jede Umstrukturierung teurer, langsamer und riskanter.

Warum entscheidet der Zeitpunkt über die Kosten?

Eine Holding entsteht selten auf der grünen Wiese. Meist existiert die operative GmbH bereits und hat Wert aufgebaut. Diesen Wert müssen Sie in die neue Struktur bewegen, und dabei schaut das Finanzamt genau hin.

Gründen Sie beide Gesellschaften am selben Tag, ist der Wert der Tochter gleich ihrem Stammkapital. Die Einbringung kostet dann fast nichts, weder an Steuer noch an Gutachten. Fünf Jahre später ist dieselbe Gesellschaft vielleicht 1,5 Mio. € wert, und die Einbringung braucht eine Bewertung, eine Einbringungsbilanz und sieben Jahre Geduld.

Beispiel: zwei Gründer, fünf Jahre Abstand

Ein Agenturinhaber hat 2021 zusammen mit seiner GmbH eine Holding aufgesetzt, Kosten damals rund 2.200 € für beide Gesellschaften. Ein zweiter Mandant kam 2026 mit einer gewachsenen GmbH zu mir, Verkehrswert 1,5 Mio. €. Notar, Bewertung und steuerliche Begleitung lagen zusammen im mittleren vierstelligen Bereich, dazu die Sperrfrist. Dieselbe Struktur, deutlich anderer Preis.

Ab welchem Gewinn trägt sich die zweite Gesellschaft?

Eine Holding kostet laufend 1.500 bis 3.500 € im Jahr, je nach Bewegung im Beteiligungsbereich. Diesen Betrag muss die Struktur erst einspielen, sonst zahlen Sie Verwaltung für ein gutes Gefühl.

Als Faustzahl greift die Holding ab etwa 100.000 € Jahresgewinn, wenn ein nennenswerter Teil davon im Unternehmen bleibt. Wichtiger als der Gewinn selbst ist allerdings Ihre Entnahmequote. Wer alles für den Lebensunterhalt herausnimmt, gewinnt nichts, weil die Abgeltungsteuer am Ende ohnehin greift.

Diese vier Ausgangslagen zeigen die Richtung:

Ihre LageEmpfehlung
Gewinn unter 80.000 €, alles wird entnommenWarten, erst die Rechtsform prüfen
Gewinn ab 100.000 €, die Hälfte bleibt stehenHolding rechnet sich, Aufbau planen
Verkauf in fünf bis zehn Jahren geplantJetzt aufsetzen, Sperrfrist läuft parallel
Zweite Firma in VorbereitungHolding zuerst, dann die neue Tochter gründen

Steht Ihre Rechtsform noch gar nicht fest, klären Sie zuerst diese Frage. Der Beitrag GmbH oder Einzelunternehmen rechnet die Kipppunkte durch.

Gut zu wissenBringen Sie Ihre Anteile zum Buchwert in die Holding ein, läuft eine Sperrfrist von sieben Jahren nach § 22 UmwStG. Ein Verkauf innerhalb dieser Frist löst rückwirkend Steuer bei Ihnen persönlich aus, der steuerpflichtige Anteil sinkt jährlich um ein Siebtel. Wer den Exit in weniger als sieben Jahren plant, sollte die Bargründung mitrechnen.

Wann schadet eine Holding mehr, als sie nützt?

Ich rate häufiger ab, als Sie vielleicht erwarten. Vier Konstellationen sprechen gegen die zweite Gesellschaft, zumindest im Moment.

  • Sie entnehmen den kompletten Gewinn privat. Dann kostet die Holding rund 2.500 € im Jahr und bringt steuerlich nichts.
  • Ihr Unternehmen schreibt Verluste. Zwischen Holding und Tochter gibt es ohne Organschaft keinen Verlustausgleich.
  • Sie sind Freiberufler in einer Sozietät. Anteile an einer Partnerschaftsgesellschaft passen nicht in eine Kapitalgesellschaft.
  • Sie brauchen die Liquidität kurzfristig privat, etwa für einen Immobilienkauf im Eigenbestand.

Thesaurieren allein reicht als Grund nicht

Ein verbreiteter Irrtum: Die Holding senke die Steuer auf einbehaltene Gewinne. Sie tut es nicht. Körperschaft- und Gewerbesteuer fallen bei der Tochter an, bevor überhaupt etwas nach oben fließt. Wer nur Rücklagen bilden möchte, braucht dafür keine zweite Gesellschaft. Der Nutzen liegt im Schutz dieser Rücklagen und in der Beweglichkeit zwischen mehreren Beteiligungen.

Holdingstruktur

Passt die Holding zu Ihrer Lage?

Wir legen Ihre Gewinn- und Entnahmezahlen neben die Kosten der zweiten Gesellschaft und sagen Ihnen, ab welchem Jahr die Struktur trägt.

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Wie starten Sie den Aufbau richtig?

Zuerst rechnen wir, dann gehen wir zum Notar. In der Reihenfolge, weil ein Notartermin schnell gemacht ist und eine unpassende Struktur Sie sieben Jahre begleitet.

Vier Schritte bis zur fertigen Struktur

  • Wir prüfen Ihre Zahlen und rechnen beide Wege durch, mit und ohne Holding.
  • Wir wählen zwischen Einbringung zum Buchwert und Bargründung, abhängig von Ihrem Zeithorizont.
  • Notartermin, Handelsregistereintrag und steuerliche Erfassung der neuen Gesellschaft.
  • Wir richten die laufende Betreuung ein und übernehmen die jährlichen Nachweise gegenüber dem Finanzamt.

Von der Entscheidung bis zum Eintrag vergehen meist vier bis acht Wochen. Die Begleitung übernehmen wir in der Beratung zur Holdingstruktur, die laufenden Abschlüsse beider Gesellschaften in der laufenden Buchhaltung.

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Holding?

Vor dem Wachstum. Solange Ihre operative Gesellschaft wenig Wert hat, kostet die Einbringung fast nichts und die Sperrfrist läuft in einer Phase, in der Sie ohnehin nicht verkaufen. Je später Sie umbauen, desto teurer wird die Bewertung und desto größer das Risiko in der Frist.

Brauche ich für eine Holding mehrere Tochtergesellschaften?

Nein, eine reicht. Die steuerlichen Vorteile nach § 8b KStG greifen bereits bei einer einzigen Beteiligung. Mehrere Töchter machen die Struktur interessanter, sind aber keine Voraussetzung.

Lohnt sich eine Holding bei 80.000 € Gewinn?

Nur wenn Sie einen erheblichen Teil davon im Unternehmen lassen oder einen Verkauf planen. Bei vollständiger Privatentnahme zahlen Sie rund 2.500 € Mehrkosten für keinen steuerlichen Effekt.

Kann ich später wieder auf eine Gesellschaft zurück?

Ja, über eine Verschmelzung. Der Rückweg ist steuerlich allerdings unangenehmer als der Hinweg, weil offene Rücklagen als Ausschüttung gelten. Wir rechnen ihn vorher durch, falls die Struktur später nicht mehr passt.

Banu Bas
Banu BasSteuerberaterin, Gründerin der Kanzlei in Monheim am Rhein

Banu Bas prüfte nach dem Studium Konzernmandate in der Wirtschaftsprüfung einer Big-Four-Gesellschaft. Was dort selbstverständlich ist, bringt sie heute in den Mittelstand: Rechtsformwahl, Holdingstrukturen und laufende Steuergestaltung für Agenturen, Coaches und digitale Dienstleister. Wie die Kanzlei arbeitet, lesen Sie auf der Seite zur Kanzlei.

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